Glück erzeugt Glück erzeugt Glück

Macht Erfolg glücklich - oder macht Glück erfolgreich? Eher letzteres, haben amerikanische Psychologen festgestellt. Denn: Glückliche Menschen haben positive Wahrnehmungen, und diese wiederum sind wichtig für den Erfolg

Die Formel schien einfach: Erfolg im Leben macht glücklich. Psychologisch gesehen ist das allenfalls die halbe Wahrheit, erklären drei amerikanische Experten, nachdem sie 225 einschlägige Studien zum Thema in einer so genannten Metaanalyse unter die Lupe genommen haben. Vielfach müsse man die lieb gewonnene Formel umdrehen: Denn "glückliche Leute erreichen oft mehr im Leben als weniger glückliche Menschen", sagt Studienleiterin Sonja Lyobomirsky von der Universität von Kalifornien in Riverside. Kurzum: Glück erzeugt Glück erzeugt weiteres Glück.

Glücklich ist, laut Definition der Wissenschaftler, wer häufig "positive Emotionen" wie Freude, Interesse an bestimmten Themen, Neugier oder Stolz empfindet und seltener "negative Emotionen" wie Traurigkeit, Ängstlichkeit oder Ärger. Dieses Konzept scheint in der wissenschaftlichen Literatur hinreichend belegt - so etwa in einer Studie mit 7.000 Studenten, von denen jene mit ihrem Leben hochzufrieden waren, die die meiste Zeit Freude erlebten. Unter diesen Umständen können sich Menschen "erweitern und aufbauen", wie es die US-Psychologin Barbara Fredrickson formuliert hat. Das heißt: sich der eigenen Fähigkeiten besinnen, sich Ziele setzen, an deren Verwirklichung arbeiten, aber auch sich ausruhen und entspannen, um den Akku wieder aufzuladen und sich für neue Aufgaben vorzubereiten. "Glückliche Menschen", sagt Sonja Lyobomirsky, "profitieren von ihren positiven Wahrnehmungen."

Darauf deuten viele der Untersuchungen hin, welche die Psychologin und ihre Kollegen Ed Diener und Laura King durchforstet haben. In so genannten Querschnittsstudien, bei denen verschiedene Gruppen von Menschen zum selben Zeitpunkt verglichen wurden, zeigte sich: Glückliche Menschen sind beruflich erfolgreicher und stressresistenter, verdienen mehr, pflegen engere soziale Kontakte und sind auch gesünder als der Durchschnitt. Die wenigen verfügbaren Längsschnittstudien - sie analysieren Gruppen über größere Zeiträume - belegen allesamt, dass diesen "Erfolgen" das Glück im Sinne des häufigen Erlebens positiver Emotionen vorausgeht.

In experimentellen Laboruntersuchungen hingegen erzeugen Wissenschaftler gezielt kurzzeitige positive Emotionen. Unter diesen Umständen werden Probanden beispielsweise kontaktfreudiger, oder aber sie schneiden besser ab bei Bewerbungsgesprächen. Zudem lösen sie bestimmte Aufgaben schneller und besser als andere Versuchsteilnehmer - für Lyobomirsky wichtige Indizien, dass positive Emotionen zwischen Glück und Erfolg vermitteln. "Absurd" hingegen sei der Schluss, chronisches Glück sei nötig für jeglichen Erfolg. Intelligenz, körperliche Fitness oder auch Familienverbindungen spielten eine ähnölich große Rolle. Positive Emotionen sind sehr wichtig, sagt die Psychologin, "aber kein magisches Elixier".

(erschienen in Psychologie Heute, Mai 2006)


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